Express-Entführung
Im Gegensatz zur deutschen Botschaft beschäftigt die Ebert-Stiftung trotz Gefahrenlage weiterhin Praktikanten in Venezueala. Wurden die Praktikanten denn nie überfallen? „Doch, doch. Jeder unserer Praktikanten ist schon mal überfallen worden. Dabei dauerte das Praktikum nur drei Monate.“ Dr. Schütt ist seit fünf Jahren Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Caracas und ja, auch er wurde schon überfallen. Bei ihm war es ein Secuestro Express, eine Express-Entführung. Secuestro Express heißt auch der berühmteste Film Venezuelas und er handelt von dieser hier sehr geläufigen Art des Kidnapping. Diebe nehmen den Überfallenen so lange als Geisel, bis mit der gestohlenen Kreditkarte das Konto abgeräumt ist. Beim Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung begann alles im Auto. Er stand vor dem Zaun seines Hauses und wartete darauf, dass sich das automatische Eingangstor öffnet. In diesem Moment hielt ein Wagen neben ihm, vier unmaskierte Männer, sprangen aus dem Auto und schlugen mit ihren Waffen gegen seine Fensterscheiben. „Wissen Sie wie das klingt, wenn Pistolen gegen ihre Scheiben geschlagen werden??? Wahrscheinlich nicht. Ich wusste es auch nicht. Das ist ein unglaublicher Lärm! Da steht man sofort unter Schock.“ Dann fuhren zwei der Männer mit seinem Wagen und seiner Kreditkarte weg während die anderen beiden ihn in ihr Auto nahmen und mit ihm quer durch die Stadt fuhren. Nach zweieinhalb Stunden bekamen sie per Handy Bescheid, dass das Geld abgehoben ist, gaben ihrer Geisel Geld für ein Taxi und ließen ihn aussteigen. „Und da hatte ich Glück. Die ließen mich wieder frei. Bei anderen kommt es gleich zu Schießereien. Einfach so. Die schießen dann nur zum Spaß.“ Auf der Polizeistation wurde dann „gelangweilt“ seine Anzeige aufgenommen. „Die haben das mehrmals jeden Tag. Das interessiert die nicht wirklich.“ In wenigen Wochen übernimmt jemand anderes die Leitung der Ebert-Stiftung in Caracas und Dr. Schütt fliegt zurück nach Deutschland. Ich glaube nicht, dass er sehr traurig darüber ist.