Wednesday, October 29, 2008

Strand

Spontane Reise an die Strände Venezuelas. Ich besteige den Reisebus in Flipflops um mir danach zwei Kapuzenpullis anzuziehen. Die Nachtbusse sind dafür bekannt, dass sie ihren modernen Standard dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie die Temperatur auf ein Minimum herunterkühlen. Ein Verkäufer bietet heißen Kaffee an während er sein Wägelchen mit Thermoskannen durch den Gang schiebt. Einer der Fahrgäste ruft zurück: „Behalt deinen Kaffee. Hier ist es eiskalt. Wir brauchen Schnaps!“ Ich muss mehrmals die Transportmittel wechseln und je näher ich meinem Ziel komme, desto abenteuerlicher werden Straßen und Busse. Am Schluss sind es nur noch Pick-up-Trucks („Por Puestos“) – zusammengehalten mit Klebeband, Schnüren und Tackerklammern-, die alles mitnehmen, was am kaputten Straßenrand die Hand hoch hält. Als ich die Ladefläche aufsteigen will stehen und sitzen bereits zwanzig gut beleibte Männer und Frauen zusammengepfercht zwischen Maismehlsäcken und Zuckerpaketen; und obwohl die letzten bereits halb aus dem Wagen hängen, werde ich ganz selbstverständlich hereingewunken. Der Pick-up-Truck fährt los und die Ladefläche wird zum Mikrokosmos venezolanischer Lebenskultur. Salsa dudelt aus der Musikbox, alle reden wild gestikulierend durcheinander, man sieht ihre Zahnlücken wenn sie laut lachen und irgendwann entfacht eine hitzige Diskussion darüber, ob Chávez nun die Rettung oder der Untergang für Venezuela ist – dazwischen gibt es nichts. Nach insgesamt neun Stunden Fahrt komme ich am fast menschenleeren Strand des Playa Medina an. Ein Kleinod mitten in der Pampa. Die frische Luft ist ein Traum – im Gegensatz zu Caracas, wo ich mir jeden Abend die Dreckschicht vom Gesicht wasche.

Posted by chicavenezolana in 21:48:04 | Permalink | No Comments »