Monday, October 20, 2008
Sunday, October 19, 2008
Im Marzahn von Caracas
Erst zwei Tage vor meinem Abflug war klar, dass ich für die erste Zeit bei ihm unterkommen kann. Ich lernte ihn über www.Hospitalityclub.org kennen. Alles was ich über ihn weiß, ist, dass er gerne und viel reist, regelmäßig Reisende in seinem Gästezimmer aufnimmt und einer der wenigen Menschen in Venezuela ist, die Englisch sprechen. Seine Wohnung liegt im sechsten Stock eines Hochhauses und aus dem Fenster sieht man noch mehr Hochhäuser. Dazwischen und an den Hängen des dahinter liegenden Ávile-Gebirgszuges stapeln sich die wild zusammengezimmerten Häuser der “barrios”, der Ghettos. Ich frage ihn, in welchem Stadtteil wir uns befinden und als er sagt “23 de enero” muss ich lachen. Alle haben mich vor diesem Stadtteil gewarnt. Und nun WOHNE ich hier. Die Hochhäuser wurden in den 50er Jahren gebaut um die Armen von der Straße zu holen. Ein klassischer sozialer Brennpunkt. Das Marzahn von Caracas.
Mit Roy lebt auch Dulce. Das Verhältnis der beiden ist mir nicht ganz klar, aber es ist auf jeden Fall harmonisch. Dafür ist die Rollenverteilung schnell geklärt. Während ich mit Roy eine Runde Schach spiele, kümmert sich Dulce um die Wäsche und kocht das Essen. Als ich ihm sage, dass er ziemliches Glück mit Dulce hat, versteht er erst nicht was ich meine. “Naja, sie kocht für dich, putzt die Wohnung, wäscht die Wäsche…” Er zuckt mit den Schultern. Als ich ihm sage, dass ich das mit Sicherheit nicht für ihn machen würde, muss er lachen.