In der US Botschaft
Joan hat mich bei der amerikanischen Botschaft als Besucherin angemeldet. Im Gegensatz zur deutschen Botschaft liegt die US-Botschaft nicht in einem Hochhaus im Stadtzentrum, sondern besetzt ein ganzes Areal auf einer Anhöhe in einem der nobelsten Bezirke der Stadt. Stelle schnell fest, dass Fußgänger, also Leute wie ich, hier die Ausnahme sind. Dann eine Szene wie im Film: Ein Geländewagen der gehobenen Preisklasse hält links neben mir, die geschwärzten Scheiben fahren herunter und geben den Blick frei auf die Insignien des wirtschaftlichen Erfolges. Während der Fahrer noch ein Handy am Ohr hat, fragt er wo ich hin will, sagt, dass es gefährlich sei hier zu Fuß zu gehen und ob er mich mitnehmen kann. Auf der Fahrt erzähle ich von meinen Ursprungsplänen ein Praktikum bei TeleSUR zu machen. „Ah, dann arbeitest du ja mit meinem Freund Aram Aharonian. – Aram Aharonian? Hm. Arbeitet er bei TeleSUR? – Ja. Er ist der Direktor.“ Peinlich, peinlich. Wir tauschen Nummern aus und ich steige bei der Botschaft mit dem traumhaftesten Blick über Caracas aus. Millionen von Lichtern, eingenistet in
3000 Meter hohe Gebirgszüge. In einem Seminarraum mit Flachbildschirmen und Flip-Chart stehen Schlagzeug, Keyboard und elektrische Gitarren. Juan und seine Band proben hier Lieder, wie es sich für eine amerikanische Botschaft gehört: Knockin’ on Heaven`s Door, Honky Tonk Woman, You shook me all night long und Sweet Home Alabama.
Einen Botschafter gibt es hier übrigens nicht mehr. Der wurde vor ein paar Monaten von Hugo Chávez aus Solidarität mit Bolivien während einer spektakulären Fernsehansprache erst beschimpft und dann des Landes verwiesen.